Wir sind immer noch wir
Die Protagonistin weiß von ihrer Krankheit und sucht nach Wegen, um mit ihr umzugehen. Das genaue Beobachten und Beschreiben der Symptome ist einer davon, sich nichts anmerken zu lassen, ein weiterer. Irgendwann kann Lana ihren fragilen Zustand nicht
mehr vor ihren Freunden verbergen. Diese, durch die Erinnerung an ein gemeinsam erlebtes Trauma verbunden, bilden ein interessantes Beziehungsgeflecht, indem sie versuchen, füreinander da zu sein und sich gegenseitig Halt zu geben. Lana setzt all ihre noch verbliebene Kraft daran, eine Geschichte über Tom zu erzählen, ihm zu einer Gestalt zu verhelfen und ihm dadurch ein Leben zu geben. Bald muss sie erkennen, dass diese Figur eine Eigendynamik entwickelt und sich von der Schreibenden zu lösen beginnt. Tom kontrolliert zeitweise alles, wirbelt und spielt zwischen den Sätzen umher, bis er dann plötzlich verschwindet. Doch was für Lana wirklich zählt, ist allein die Geschichte an sich, die gelesen und dadurch noch woanders beheimatet sein würde als bei ihr. "An einem anderen Ort neue Wege gehen": Das ist es, was Lana antreibt und was sie sich für ihre Geschichte wünscht. In poetischen Bildern erzählt Verena Kaster von dem, was einen Menschen ausmacht, vom Bleibenden und Vergänglichen und vom Schreiben, das dem Ich eine Stimme gibt. Es ist diese leise, aber unverkennbare Stimme einer begabten Erzählerin, die es verdient, gehört zu werden und die leider viel zu früh gestorben ist. Der beachtenswerte Debütroman wird für alle Bestände gerne empfohlen.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Wir sind immer noch wir
von Verena Kaster
BoD - Books on Demand GmbH (2026)
207 Seiten
kt.