Voller Buckel, voller Wale
Die Figuren in Verena Kasters Kurzgeschichten sind verunsicherte, Halt suchende, von Selbstzweifeln geplagte Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen. Da ist zum Beispiel Sarah, bei der die lebensgefährlichen Einsätze in Syrien Spuren
hinterlassen haben und die dennoch weiß, dass sie ins Kriegsgebiet zurückkehren wird. Juli ist die Kneipenwirtin, deren Traum von der Weltreise sich als Enttäuschung entpuppt: falscher Zeitpunkt, falsche Route. Ihr wird klar, dass ihre Reise dort weitergeht, wo sie zu Hause ist. Da sind die beiden Freundinnen Jeanette und Kleo, die, in der Provinz gestrandet, dem Traum von einer erfolgreichen Schauspielkarriere nachtrauern. – Der Autorin gelingt es mit einem feinen Gespür für Befindlichkeiten, Einsichten in das Innenleben ihrer Figuren zu gewähren und mit wenigen Worten atmosphärisch dichte Bilder zu schaffen. Perfekt austarierte Dialoge verdeutlichen die Beziehungsprobleme. Mit Verena Kaster meldet sich eine markante literarische Stimme zu Wort, von der man sehr gern mehr gehört hätte und die viel zu früh verstummt ist. Ihrer beachtenswerten Textsammlung, die in keinem Bestand fehlen sollte, wünscht man eine breite Resonanz.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Voller Buckel, voller Wale
Verena Kaster
Books on Demand GmbH (2024)
211 Seiten
kt.