Rotkäppchen, der Wolf und die Zeichnerin

Ein Merkmal von Märchen ist ihre Unveränderbarkeit: das Figurenensemble, das Setting und der Verlauf der Handlung sind feste Größen, während der Stil der Erzählung variieren darf. Doch was passiert, wenn die Figuren plötzlich ihre Stimme erheben Rotkäppchen, der Wolf und die Zeichnerin und der Autorin und Zeichnerin Wünsche mitteilen? So geschieht es hier. Das Rotkäppchen möchte bei ihrem Gang durch den Wald größer erscheinen; eine Bitte, die ihr die Zeichnerin gewährt – sehr zum Unmut des Wolfs, der sich gleich benachteiligt sieht. Die Streitereien nehmen kein Ende, die Zeichnerin sieht nur einen Ausweg: die Abstraktion. – Für Kinder mit einem sicheren Wissen um den Märchenkanon ist dieses Bilderbuch genau das Richtige: zwar bleibt die Handlung bestehen, aber die zeichnerische Umsetzung ist so originell wie witzig. Dass sich auch die Autorin mit ihrer eigenen Sprechstimme einmischt, ist ein zusätzlicher Spaß. Der expressive Farbrausch (ab der Mitte des Buches) gibt dem Geschehen einen chaotischen Charakter, der den jungen Betrachter:innen das Wort erteilt: jetzt seid ihr dran mit Erzählen! Hier bricht sich eine fröhliche Respektlosigkeit Bahn; von den Kindern wird eine große Portion Abstraktionsvermögen erwartet, doch dieser Anforderung werden sie sicher gern mit ihrer eigenen Erzählfreude gerecht. Und auch die erwachsenen Vorleser:innen werden einige Überraschungsmomente erleben! – Gerne empfohlen!

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Rotkäppchen, der Wolf und die Zeichnerin

Rotkäppchen, der Wolf und die Zeichnerin

Delphine Bournay ; aus dem Französischen von Alexander Potyka
Picus Verlag (2026)

[40] Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 625008
ISBN 978-3-7117-4047-2
9783711740472
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 4
Systematik: KK
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