Verraten
Nach dem Zweiten Weltkrieg herrscht in China immer noch Gewalt, die Nationalchinesen und die Kommunisten bekriegen sich. Der junge Hochschulabsolvent Gary Shang bewirbt sich auf Betreiben der Kommunisten als Dolmetscher für Englisch bei den Nationalchinesen
und damit ist sein Werdegang als Spion vorgezeichnet. Nach dem Sieg der Kommunisten folgt er schweren Herzens den Nationalchinesen nach Taiwan. Er ist gerade mal einige Wochen verheiratet und muss seine Frau in Ungewissheit zurücklassen. Ob seiner guten Arbeit fällt er der CIA auf, so dass er schließlich aufgefordert wird, in die USA zum CIA-Hauptquartier zu kommen. Er erhält mehr und mehr Einblick in streng geheime Unterlagen und gibt seine Informationen nach Peking weiter. Als er nach Jahren erfährt, dass er Vater von Zwillingen ist, will er unbedingt zurück nach China; die Partei erlaubt es ihm aber nicht. Nach Jahren nimmt er die US-Staatsangehörigkeit an, heiratet und leidet immer mehr wegen seines Doppellebens. Seine Ehe ist nicht besonders glücklich; ein Bindeglied ist immerhin die Tochter Lilian, der er eine Hochschulausbildung ermöglicht. Durch eine Geldtransaktion aus China fällt er schließlich dem FBI auf, wird 1979 enttarnt und zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Der von ihm erhoffte Austausch kommt nicht zustande, schließlich nimmt er sich 1980 in der Haft das Leben. Die Tochter Lilian kommt in den Besitz der geheimen Tagebücher ihres Vaters, rekonstruiert sein Leben und macht Verwandte in China ausfindig. - Eine ungemein interessante Erzählung mit Einblicken in die Geschichte Chinas Mitte des 20. Jh. mit all den tragischen Verwerfungen und Katastrophen. Der Autor versteht es meisterhaft, die unterschiedlichen Lebensformen der Kulturen in den USA und China herauszustellen und die Schwierigkeiten, die daraus erwachsen. Für alle Büchereien gut geeignet. (Übers.: Susanne Hornfeck)
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Verraten
Ha Jin
Arche (2015)
366 S.
fest geb.