Papagei über Bord
Der Ich-Erzähler, meist ein jüngerer Mann, der aus China emigriert ist und sich nun in den USA eine neue Existenz aufbauen muss, erzählt in liebevoller Detailliertheit zwölf Geschichten, die um berufliche und private Probleme chinesischer Immigranten
kreisen und die auch unverkennbar an die Biografie des mehrfach preisgekrönten chinesisch-stämmigen Autors angelehnt sind. Das Aufeinanderprallen verschiedener Wertvorstellungen und Kulturen im Alltagsleben ist ein beinahe durchgängiges Motiv. Fast immer leiden die Personen darunter, dass sie Gefangene ihrer Vergangenheit sind und gerade deshalb in der Gegenwart nicht ankommen. Einmal steht ein junger Mann zwischen zwei Frauen, einer Mutter, die er liebt und einer eifersüchtigen Tochter, die diese Liebe verhindert. Ein andermal lädt ein junger Ehemann seine Mutter aus dem fernen China zu Besuch nach New York ein und sie macht ihrer Schwiegertochter das Leben zur Hölle, weil diese dem traditionellen Rollenbild einer chinesischen Ehefrau so gar nicht entspricht. Oder es ist von Flucht und Verfolgung die Rede. Betont ungekünstelt erzählt der selbst aus China nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1987 emigrierte Autor, mittlerweile amerikanischer Staatsbürger, sehr authentisch, unprätentiös und unterhaltsam. (Übers.: Susanne Hornfeck)
Papagei über Bord
Ha Jin
Arche (2016)
287 S.
fest geb.