Niemand ist bei den Kälbern

Christine ist 20 und lebt bei ihrem Freund Jan, einem Jungbauern in Mecklenburg. Christine kann dem Landleben nichts abgewinnen, sie hasst die Arbeit auf dem Hof und träumt von anderen Dingen, weiß aber nicht, wie sie aus diesem Leben ausbrechen Niemand ist bei den Kälbern soll. Die einzige Möglichkeit scheint ihr, mit einem viel älteren Mann anzubändeln, der eines der Windräder wartet, die in der Nähe des Hofes stehen. Doch auch dies ist immer nur eine Flucht für Stunden. Und damit überhaupt etwas passiert, sabotiert sie die Arbeit ihres Freundes, indem sie ein Kabel am Trecker zerschneidet und vergiftet den Hofhund ... - Die Geschichte spiegelt die ganze Tristesse, in der junge Leute auf dem Land versinken - nicht nur in Ostdeutschland. Insofern ist es ein mutiger und wichtiger Roman darüber, wie erstickend Leben sein kann. Beim Lesen allerdings sind die Perspektivlosigkeit und Frustration, die Unsicherheit und der gefühllose Fatalismus der Protagonistin niederschmetternd und manchmal nur schwer erträglich. Der Leser denkt, es gäbe doch viele mögliche Perspektiven, die Christine aber nicht sieht und in ihrer Ich-Bezogenheit und Lethargie vielleicht auch nicht sehen will. Die Euphorie von Clemens Meyer oder David Wagner über diese Gegengeschichte zu allen Landlust-Sehnsüchten muss man nicht teilen, ein interessantes Debüt ist der Roman auf jeden Fall. Für Leser/innen, die an Gegenwartsliteratur interessiert sind.

Ulrike Braeckevelt

Ulrike Braeckevelt

rezensiert für den Borromäusverein.

Niemand ist bei den Kälbern

Niemand ist bei den Kälbern

Alina Herbing
Arche (2017)

254 S.
fest geb.

MedienNr.: 588894
ISBN 978-3-7160-2762-2
9783716027622
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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