Glühen

Lima fühlt sich wie in einer Blase, in der sie nur als eine von vielen wahrgenommen wird. Sie ist davon überzeugt, dass ihre Beschäftigung mit fiktiven Texten sie davon abhält, ein reales Leben zu führen. Sie reist in die einsame Welt der Berge, Glühen um diesem Dilemma zu entrinnen, was ihr nur kurz gelingt: Bei ihren Wanderungen trifft sie auf einen Mann, der mit Pferd und Wagen daherkommt und mit einer Sense die Wiese mäht. Erst als sie eine Liebesbeziehung mit ihm eingeht, ist sie sich sicher, dass ihre Beziehung real ist. Doch ihr Glück endet, als ihr Geliebter plötzlich nicht mehr erscheint. Ihre Enttäuschung darüber, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Liebe insofern versagt zu haben, als sie nur eine von vielen ist, führt dazu, dass sie sich den Flammen des nahenden Waldbrandes ergibt. Im personalen Erzählstil bringt Bauer den Leser:innen die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Hauptfigur nahe, wobei sie die Handlung in chronologischer Reihenfolge erzählt. Sie thematisiert durch ihre Protagonistin auch die Möglichkeiten und Grenzen von Literatur überhaupt. Die poetische Sprache und die knapp gezeichneten Szenen machen das Buch zu einem besonderen und anspruchsvollen Leseerlebnis.

Adelgundis Hovestadt

Adelgundis Hovestadt

rezensiert für den Borromäusverein.

Glühen

Glühen

Theodora Bauer
Rowohlt Berlin (2024)

123 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 619373
ISBN 978-3-7371-0202-5
9783737102025
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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