Strandgut
Der „King of Soul“, Earlon „Bucky” Bronco aus Chicago, nunmehr 70 Jahre alt, treibt seit dem Tod seiner Frau Maybellene, mit der er 50 Jahre zusammen war, wie ein Schiffbrüchiger durchs Leben, quasi vom Bett zur Apotheke. Ihn schmerzen und
quälen Hüfte und Knie wie in der „Hölle“. „Was immer er tat, irgendein Schmerz füllte jede wache Minute.“ Völlig überraschend erhält er eine Einladung ins englische Scarborough. Er fliegt zum ersten Mal in seinem Leben und wird am Ziel von Dinah, seinem größten Fan (behauptet sie), bis zum Auftritt betreut. Wie sich herausstellt, ist sie zwar melancholisch, aber doch lebenstüchtig und stürzt sich oft in die kalte Nordsee, um ihren deprimierenden Alltag zu vergessen. Das Konzert mit seinem zwanzigminütigen Auftritt ist ein voller Erfolg, wie einen „Auferstandenen“ empfängt man ihn und er trinkt oder kifft sogar ein bisschen. Das Baden im Meer, auf „dessen Oberfläche ein Streifen Hoffnung schimmert“, tut beiden sehr gut. – Wieder sind es die Landschaftsbeschreibungen und die Sprache, die einen förmlich in den Roman hineinziehen. Lesenswert.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Strandgut
Benjamin Myers ; aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
DuMont (2025)
287 Seiten
fest geb.