Keine Angst, Darling!
In der abgeschotteten Luxussiedlung Sancta Familia in Florida führt Lea ein scheinbar perfektes Leben: ein sicheres Zuhause, eine Tochter, die sie über alles liebt, und einen Mann, Matt Graves, der sie auf Händen trägt. Als Tradwife-Influencerin
wird sie für ihr perfektes Hausfrauenleben online von Millionen Followern gefeiert. Doch Leas Schwester Paula in Deutschland misstraut der perfekten Inszenierung. Als sie plötzlich keine Posts und Nachrichten mehr erhält und jedes Lebenszeichen von Lea ausbleibt, reist sie besorgt nach Florida. Lea ist nicht zuhause. Matt behauptet, seine Frau habe sich eine Auszeit genommen. Paula glaubt ihm nicht und erkennt schnell, dass in der Siedlung etwas ganz und gar nicht stimmt. Je genauer sie sich umsieht, desto deutlicher werden die strengen Regeln und die gnadenlose Kontrolle. Die Frauen sollen sich vollständig dem Mann und der Familie unterordnen. Sie dürfen nicht arbeiten, werden überwacht und müssen bei Ungehorsam mit Bestrafung rechnen. Frauen, die sich widersetzen, verschwinden. Paula beginnt heimlich, mit einigen verängstigt wirkenden Frauen zu sprechen und stößt dabei auf eine sektenartige Gemeinschaft, die sich hinter äußerem Luxus und einer makellosen Social-Media-Fassade verbirgt. – In ihrem neuesten Thriller beleuchtet die in der Schweiz lebende Schriftstellerin Vera Buck eindringlich die Themen häusliche Gewalt und das Phänomen der Tradwives – Frauen, die sich bewusst einem traditionellen Rollenbild verschreiben. Dabei zeigt sie, wie schnell aus einer vermeintlich heilen Welt Kontrolle, Abhängigkeit und Gewalt entstehen können. Die Autorin erzählt ihren raffiniert konzipierten Thriller mit klarer, direkter Sprache, viel Einfühlungsvermögen und verbindet eine spannende Dramaturgie mit einer psychologisch überzeugenden Geschichte. Ein wichtiges, hochaktuelles Buch, mit Nachdruck für alle Büchereien empfohlen.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Keine Angst, Darling!
Vera Buck
Lübbe (2026)
445 Seiten
kt.