Der Scherbenpalast
Als Lous Eltern beschließen, in eine andere Stadt zu ziehen, bricht für sie eine Welt zusammen. Wütend und verletzt darüber, ihre Freunde und ihr altes Leben zurücklassen zu müssen, verschließt sie sich ihrem neuen Umfeld gegenüber. Erst ihre
eigentümliche Nachbarin Freya, die einen Palast aus Scherben zusammensetzt, und der riesige Mammutbaum in ihrem Garten wecken ihr Interesse und weichen zaghaft ihre Abwehr gegenüber ihrem neuen Zuhause auf. Als sie die lebensfrohe Sari und den geheimnisvollen Tikey kennenlernt, dessen Traurigkeit sie berührt, stellt sie sich den Veränderungen und lässt es langsam zu, neue Wurzeln zu schlagen. – Annette Mierswa thematisiert in ihrem Roman die Hilflosigkeit, die Veränderungen mit sich bringen können, und den Mut, der benötigt wird, um sich diesen zu stellen. Einfühlsam werden die Herausforderungen des Erwachsenwerdens beschrieben, denen sich die Protagonistin Lou stellen muss. Obwohl das Gefühlsleben der Charaktere detailliert und nachvollziehbar geschildert wird und man mitfühlt, benötigt es dennoch einige Zeit, bis man der Hauptfigur Lou gegenüber Sympathie aufbringen kann. Mierswa versetzt sich mit ihrem Roman gefühlvoll in die Lage von Jugendlichen und spricht sicherlich einige Themen an, die Teenager in diesem Alter beschäftigen. Nebenbei wird im Buch die wahre Geschichte der Umweltaktivistin Julia Butterfly Hill erzählt. Annette Mierswa hat einen vielschichtigen Text geschaffen – so vielseitig wie das Leben. Empfehlenswert.
Theresa Schaffer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Scherbenpalast
Annette Mierswa
Freies Geistesleben (2025)
207 Seiten
kt.