Zum Beispiel Christentum
Das Echo auf sein 2024 veröffentlichtes Buch „Die Form der Reform“ (BP/mp 26/470) regte Wolfgang Beinert dazu an, auf dem Stand der gegenwärtigen Theologie „darzulegen, was das Christentum für uns jetzt und hier bedeutet“, und zwar für
eine breite Leserschaft. Herausgekommen ist ein Lehrbuch, das auf Grundlage der zeitgenössischen Theologie christliche Grundbegriffe wie Religion, Gott und Glaube behandelt, außerdem Glaubensinhalte wie Schöpfung, Jesus von Nazareth, Dreifaltigkeit, Kirche, das Böse erläutert. Gut strukturiert vermittelt Beinert auch komplexe Zusammenhänge, die er durch Beispiele greifbarer zu machen versucht. Allerdings sind ihm dabei auch einige ärgerliche Fehler unterlaufen (z. B. ist die Erde kein Stern, sondern ein Planet, Kreatianismus ist nicht der Glaube an eine wie in der Bibel beschriebene Schöpfung, sondern der an die Schöpfung der Seele – gemeint ist Kreationismus), die in ihrer Häufung fragen lassen, ob das Buch eigentlich lektoriert wurde. Ganz besonders danebengegriffen ist ein Beispiel aus dem Kapitel über das Böse (!), in dem Beinert Säuglingen Lügen unterstellt, weil sie weinen würden, obwohl sie gar keinen Hunger hätten (S. 201). Das ignoriert nicht nur sämtliche Erkenntnisse zur Entwicklung kindlicher Moral, es verkennt auch, dass Alleinsein für Säuglinge eine existenzielle Bedrohung darstellt, auf die sie natürlich mit Schreien reagieren. Trotz dieser Kritik handelt es sich um ein empfehlenswertes Buch (ab mittleren Beständen), das am christlichen Glauben interessierten Leser:innen wichtige Grundlagen vermittelt.
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Zum Beispiel Christentum
Wolfgang Beinert
Verlag Friedrich Pustet (2026)
327 Seiten
kt.