Die Form der Reform
Der emeritierte Dogmatikprofessor Wolfgang Beinert legt mit diesem Buch eine Bilanz des Reformbedarfs in der katholischen Kirche vor, deren Baustellen eklatant und offenkundig sind. Selbst nach Jahren des synodalen Prozesses und der Reformbemühungen
sind auf struktureller Ebene keine Veränderungen erkennbar. Wolfgang Beinert zeigt klar, schonungslos und pointiert auf, woran es hakt: Seien es die verkrusteten Machtstrukturen der Amtskirche, die überkommenen Moralvorstellungen, die Widersprüchlichkeit vieler theologischer Lehren oder die schlichte Unfähigkeit, zentrale Glaubensinhalte überzeugend zu kommunizieren. In diesem Sinne durchleuchtet der Autor in 15 essayistisch gehaltenen Kapiteln die Kernprobleme heutiger Kirchenreform und benennt dabei die Wurzeln der Konflikte ungeschönt. Sein Stil ist gut lesbar, teilweise anekdotisch und bissig-ironisch, aber nie polemisch. Manche Gedanken wiederholen sich und an einigen Stellen werden Fachtermini benutzt, die nicht-theologischen Leser:innen möglicherweise unbekannt sind, doch das Buch richtet sich dezidiert an ein mit Problemen vertrautes breites Publikum. Eine gute, systematische Dokumentation des „Status Quo“ im Jahr 2025 – geeignet für alle größeren theologischen Bestände.
Vanessa Görtz-Meiners
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Form der Reform
Wolfgang Beinert
Verlag Friedrich Pustet (2024)
238 Seiten : Illustrationen
kt.