Der Schrei des Leoparden
Ein Jahr ist vergangen, seit Marie und ihre Mutter Barbara den Sommer im Buganda Park verbracht haben, einem Reservat in Zentralafrika. Nicht nur die Tiere und die Wildnis sind ihnen ans Herz gewachsen: Barbara plant, den Verwalter Hendrik zu heiraten,
und Marie hegt Gefühle für dessen Sohn Coby, die dieser zunächst noch unbeholfen erwidert. Nun freuen sich Mutter und Tochter auf ihre Rückkehr in das Reservat, doch dort hat indessen ein skrupelloser ausländischer Wilderer zwei Eingeborene beauftragt, Leopardin Keita und ihre beiden Jungen in seine Gewalt zu bringen. Während Hendrik, Coby und der erfahrene Noru ihr Möglichstes geben, um Keita zu retten, stehen ihnen die Weite der Steppe und vor allem das System selbst im Weg, ein Teufelskreis aus Korruption, Ausbeutung des Landes, Armut der eingeborenen Bevölkerung und Bereitschaft zu grausamer Wilderei, um etwas Geld für die Chance einer Zukunft zu verdienen... - Exemplarisch versucht der renommierte Jugendbuchautor, den Zusammenhang zwischen desolater politischer Situation, Ausbeutung Afrikas durch Europa sowie Perspektivlosigkeit der Bevölkerung und dem massiven Problem der Wildtiertötung darzustellen. Dabei sind die Bedingungen so allgemein gehalten, dass sie - erschreckenderweise - auf eine größere Zahl afrikanischer Staaten übertragbar wären. Sprachlich und stilistisch kann man das Kinderbuch, salopp gesagt, als "klassischen Egli" bezeichnen: schnörkellos, eher nüchtern, dafür umso eindrucksvoller. Zu empfehlen.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Schrei des Leoparden
Werner J. Egli
Ueberreuter (2012)
201 S.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 12