Ehrfurcht vor Gott
Ist das Bildungsziel "Ehrfurcht vor Gott" im Unterricht sowie in der schulart- und fächerübergreifenden Erziehungsaufgabe in der Schule heute noch jungen Lehrkräften und auch Schülerinnen und Schülern zu vermitteln? Prof. Klaus Zierer, Ordinarius
für Schulpädagogik an der Universität Augsburg sowie der Gymnasiallehrer Thomas Gottfried stellen in ihrem Buch eine Schwierigkeit in der Akzeptanz und Umsetzung dieses Zieles fest. Ihr Buch ist ein klares Plädoyer für das Bildungsziel Ehrfurcht vor Gott. Dafür zeigen die Autoren einen Zusammenhang zwischen dem Schwinden der Akzeptanz und gesellschaftlicher Krisen auf: Klimakrise, Kriege, Bildungskrise, Zunahme psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, Finanzkrise, Migrationskrise sowie eine Demokratie-Krise, in der sich die Bevölkerung Deutschlands zunehmend von der Staats- und Lebensform Demokratie entfremdet. Dazu komme, so die Autoren, eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft, sinkende Zustimmung zu Werten sowie die Zunahme egozentrischer Haltungen oder die wachsende Intoleranz gegenüber Konfessionen und Religionen. Außerdem "eine Selbstüberhöhung des Menschen, in fehlender Demut angesichts seiner Endlichkeit und Fehlbarkeit", also "mangelnde Ehrfurcht vor Gott". Diese Ehrfurcht begreifen sie als "eine grundlegende Geisteshaltung gegenüber Welt und Mensch, die als Bildungs- und Erziehungsziel wichtiger denn je ist, weil sie enorme Folgen für den Einzelnen und für die Gemeinschaft wie für die Demokratie" hat. Statt die Ehrfurcht vor Gott aus der Landesverfassung zu streichen, wollen Klaus Zierer und Thomas Gottfried ihn ihrem Buch zeigen, dass dieses Bildungsziel in unserer offenen und pluralistischen Gesellschaft einen Beitrag leisten kann, um aus der genannten Krisensituation mittelfristig herauszufinden. Dazu legen sie die Bedeutung der Gottesfrage in der modernen Welt dar, erläutern ihre Begriffsbestimmung von "Gott" und "Ehrfurcht", zeigen die Bezüge zum Grundgesetz sowie zur Landesverfassung Bayerns auf und erläutern, wie sich eine moderne Werteerziehung in öffentlichen Schulen verstehen lässt. Ehrfurcht vor Gott ist dabei nach dem Verständnis der Autoren nicht auf den christlichen Glauben beschränkt. Mit einer solchen Haltung, die "es mit der Endlichkeit und Vorläufigkeit dieser Welt ernst nimmt" sicherten Menschen "Humanität und Nachhaltigkeit". Besonders interessant ist das Kapitel über das Bildungsverständnis als ganzheitlicher Bildung von Menschen. Die Ausführungen sind wichtig, da dieses Verständnis von Herz- und Charakterbildung immer wieder zugunsten von interessengeleitenden Zielen, wie etwa konkreter Berufsvorbereitung, in Frage gestellt wird. Bemerkenswert ist auch das Verständnis der Autoren zur Unterrichtsqualität. Diese machen sie an der Professionalität der Lehrkraft fest, zu deren Kompetenz es gehört, schülerorientiert zu arbeiten. Die Abhandlung bietet einen interessanten Beitrag zu bildungspolitischen und pädagogisch-wissenschaftlichen Diskussionen rund um die Wertebildung in Schulen am Beispiel Bayerns.
Heike Helmchen-Menke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ehrfurcht vor Gott
Klaus Zierer, Thomas Gottfried
Waxmann (2024)
120 Seiten
kt.