Die Welt zwischen den Nachrichten
Die Schriftstellerin, Tänzerin und Choreografin Judith Kuckart, 1959 in Schwelm geboren, erzählt in diesem Roman von persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen und verbindet sie mit großen öffentlichen Ereignissen aus der Nachkriegszeit. In ihrer
Kindheit verbringt sie viel Zeit bei ihrer Oma Elisabeth, die ihr Gedichte beibringt und vor allem ihre Leidenschaft fürs Ballett weckt. Was dann später dazu führt, dass sie selbst ein Tanztheater gründet und kleine Texte dafür schreibt. Viele öffentliche Ereignisse haben Auswirkungen auf persönliche Erlebnisse. Beispielsweise wird eine Freundin später Geliebte von John F. Kennedy. Nach seiner Ermordung kommt sie wieder zurück nach Deutschland. Eine Tochter des örtlichen Apothekers entwickelt sich zum RAF-Mitglied. Auch an die Ermordung von Benno Ohnesorg 1967 kann sie sich gut erinnern, denn das ist Gesprächsthema in der Familie. Es geht um den Mauerfall und um eine Begegnung mit Egon Krenz in den 90er-Jahren, der in der gleichen Siedlung in Pankow lebt wie sie. Otto Grotewohls Wohnzimmer darf sie als Arbeitsplatz benutzen, dabei hat sie den Garten von Johannes R. Becher vor Augen. Zeitgeschichtlich ist auch nicht uninteressant, was sie während der Ölkrise erlebt, als man während der Sonntagsfahrverbote auf der Autobahn Rollschuhlaufen darf. Puzzleartig werden Begegnungen verschiedenster Art ausgebreitet und geschickt in die „Welt zwischen den Nachrichten“ eingebaut.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Welt zwischen den Nachrichten
Judith Kuckart
DuMont (2024)
190 Seiten : Illustrationen
fest geb.