Zwischen Reben und Rüben
Der Autor ist studierter Historiker, Weinbauer und Verfasser mehrerer Regionalkrimis mit Tatorten in seiner rheinhessischen Heimat. Zudem Spross einer dort ansässigen Winzerfamilie, die sich bis in 16. Jh. nachverfolgen lässt. All das kombiniert
Andreas Wagner zur Biografie seiner Herkunftsfamilie. Ein prall gefülltes Buch über Leben, Arbeit, Nöte und Erfolge der letzten fünf Generationen. Die Familiengeschichte ist eingebettet in den Wandel von Landwirtschaft und Weinbau in den letzten 200 Jahren. Das Buch schließt mit Skizzen des eigenen Winzerbetriebs im Hier und Heute. – Anders als bei Ewald Fries "Ein Hof und elf Geschwister" (BP/mp 23/794) werden Entwicklungslinien betont, Brüche wie Konstanten. Dass in der Familie Wagner der Abschied vom bäuerlichen Leben ausblieb, ist wesentlich für einen wenig sentimentalen Blick auf das Gestern. Und doch ist der Autor stets nah bei seinen Figuren, macht Charaktere greifbar und wirbt um Verständnis für sie, wo angebracht, als Kinder ihrer Epoche. Andreas Wagner weiß seine Leser bei der Stange zu halten. Die Heiratspolitik auf dem Dorf, der Umgang mit Not und Kriegszeiten, die Zwänge einer Dorfgemeinschaft, denen sich die Antagonisten mal unterwarfen, mal diese geschickt zu kompensieren wussten. Ein Buch für alle, die ein bäuerliche Erbe noch in sich spüren, auch wenn die Großeltern die Landwirtschaft schon aufgeben haben. Erdig, ehrlich, mit Hingabe recherchiert.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Zwischen Reben und Rüben
Andreas Wagner
Wallstein Verlag (2025)
275 Seiten : Illustrationen
fest geb.