Stimmen auf Abstand

Die Ich-Erzählerin Anda, eine pensionierte Ärztin, hat sich während der Corona-Pandemie von Bukarest in ihr Heimatdorf und Elternhaus zurückgezogen. Sie telefoniert regelmäßig mit ihrer Freundin Letitia, die in Frankreich lebt, und versucht, Stimmen auf Abstand im postkommunistischen Rumänien noch an ihr Immobilien-Erbe zu gelangen. Dabei erinnert Anda sich an ihre lange Vergangenheit als Ärztin, an ihren ersten Mann, ebenfalls Arzt, der parallel eine "Ehe auf der Arbeit" führte, und an ihren zweiten Mann, einen gewieften Geschäftsmann im korrupten Ceausescu-Regime. Sie erinnert sich an einen denkwürdigen Urlaub am Meer, den sie in den 1970er-Jahren dank ihrer Beziehungen machen durfte, in einem exklusiven Hotel, das eigentlich nur devisenbringenden Ausländern vorbehalten war, oder eben der „stalinistischen Aristokratie“ wie dem Diktatorensohn, der eines Abends im selben Speisesaal saß. Ein ausführliches Panorama von Schicksalen in Rumänien unter komplizierten gesellschaftlich-politischen Bedingungen, vom faschistischen Antonescu-Regime über die Ceausescu-Diktatur bis zu einer ungeordneten, von Korruption geprägten Nachwendezeit breitet die Autorin vor den Leser:innen aus. Doch ist die Lektüre der fast 400 Seiten auf Dauer ermüdend, vielleicht weil die Spannungen und Gefährdungen unter Ceausescu inzwischen in weite Ferne gerückt sind. Es bleibt ein großer Roman über die Geschichte Rumäniens für entsprechend Interessierte.

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Stimmen auf Abstand

Stimmen auf Abstand

Gabriela Adamesteanu ; aus dem Rumänischen von Jan Koneffke
Wallstein Verlag (2026)

383 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 625497
ISBN 978-3-8353-6086-0
9783835360860
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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