Der Tag, als wir die Erde drehten
Die französische Erfolgs-Schriftstellerin Valérie Tong Cuong (zul. "Das Atelier der Wunder, BP/mp 14/697) ist mit einem Vietnamesen verheiratet. Geschickt verbindet sie in diesem ihrem jüngsten Roman das Schicksal von mehreren Personen im heutigen
Paris, die einzeln vorgestellt werden und zum Schluss im Krankenhaus zusammentreffen. Da ist die treusorgende alleinerziehende Mutter Marylou mit ihrem umsorgten Prachtsöhnchen Paulo, der mit seiner Familie zerstrittene Stararchitekt Albert, der den Krebstod vor Augen, letzte Dinge klären will, und Prudence, eine farbige Rechtsanwältin, die ein für sie schlimmes Jugenderlebnis verarbeiten und sich im Beruf durchsetzen muss, sowie der reiche Filmregisseur Tom, den eine lesbische exaltierte Journalistin unglücklich macht. Und dann gibt es noch den geretteten Selbstmörder, der am Schluss Marylou bekommt. Viel Action, darunter auch ein Anschlag, dem viele Menschen zum Opfer fallen, interessante, ein bisschen klischeehaft gezeichnete Personen, moderne Themen, einfach die richtige Mischung für heutige Leser, die sich unterhalten lassen wollen. Vielfach im inneren Monolog erzählt und somit seelisch packend dargestellt, aber auch mit kurzen Dialogen. Jede Einzelgeschichte entwickelt eine gewisse Eigendynamik. Ihre Verkettung wirkt etwas konstruiert, was aber ein mehrfaches Happyend ermöglicht, weil sich nun die Lebenswege in die richtige Richtung drehen. (Übers.: Doris Heinemann)
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Tag, als wir die Erde drehten
Valérie Tong Cuong
Thiele (2015)
196 S.
fest geb.