Das Atelier der Wunder
Die junge Millie, die sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, scheint nach einem Fenstersturz aus einem brennenden Haus ohne Gedächtnis; niemand vermisst sie. Marietta, ihrem machthungrigen Politikergatten und den halbwüchsigen Wilden zuhause
und in ihrer Schule nicht mehr gewachsen, landet in der Psychiatrie. Mike, der Clochard, einst ein männliches Prachtexemplar beim Militär und den Frauen, bricht seine Karriere aus Gewissensgründen ab, verliert damit alles und landet eines Tages brutal zusammengeschlagen auf der Intensivstation. Physisch wiederhergestellt, aber keinesfalls den Anforderungen ihres alten Lebens gewachsen, treffen alle drei auf den mysteriösen Monsieur Jean, der in seinem Atelier der Wunder auch zerbrochene Seelen repariert ... - Was zunächst sehr märchenhaft wirkt, entpuppt sich als ein jahrelang gewachsenes Netzwerk feingesponnener Beziehungen, aus dessen Mitte Monsieur Jean seine Figuren lenkt und manipuliert - auch er ein Getriebener seiner eigenen Vergangenheit. Von Monsieur Jean gleichermaßen gerettet und verstoßen, gelingt den Dreien gemeinsam ein erfolgreicher Neustart in ein selbstbestimmtes Leben. Durch ihre ehrliche Akzeptanz eigener Fehler und Unzulänglichkeiten eröffnet sich auch für Monsieur Jean der Weg zur kritischen Selbstreflexion. - Ein Buch, das beim Leser neben der Nachdenklichkeit ein Lächeln hinterlässt, gerne empfohlen. (Übers.: Doris Heinemann)
Elisabeth Bachthaler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Atelier der Wunder
Valérie Tong Cuong
Thiele (2014)
255 S.
fest geb.