Göttertage
1893 muss die damals 17-jährige Paula Becker gegen ihren Willen auf den Wunsch ihres Vaters hin eine Ausbildung zur Lehrerin beginnen, sie setzt aber durch, dass sie parallel dazu eine private Malschule besuchen darf. Damit beginnt ihr Leben als Malerin,
das sie 1897 zum ersten Mal in die Künstlerkolonie Worpswede führt, wo sie 1901 den Maler Otto Modersohn heiratet. Bei vier längeren Aufenthalten in Paris entwickelt sie sich künstlerisch weiter und erfährt viele Anregungen in der damaligen Welthauptstadt der Kunst. Nach schwierigen Ehejahren bekommt Paula im November 1907 ihre Tochter Mathilde, nur 18 Tage später stirbt sie 31-jährig in Worpswede. – Für Frauen war es um die Jahrhundertwende zum 20. Jh. fast unmöglich, eine qualifizierte Ausbildung zu erhalten, vielmehr wurden sie oft als „Malweiber“ verunglimpft. Paula Becker war eine Kämpferin, sie setzte sich gegen viele Widerstände durch, was auch in ihren vier längeren Parisaufenthalten Ausdruck fand. Gabriele Katz hat bereits mehrere Künstlerinnenbiografien verfasst, die „Göttertage“ sind ihr erster Roman; das selbständige und unstete Leben Paulas eignet sich natürlich sehr gut für einen literarischen Biopic. Und auch wenn es Katz gelingt, die inneren und äußeren Kämpfe Paulas sichtbar werden zu lassen, so zeichnet sie doch vieles – wie in auffallend vielen Worpswede-Büchern – eher holzschnittartig, was in Romanen aber durchaus zulässig ist.
Michael Sanetra
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Göttertage
Gabriele Katz
ebersbach & simon (2026)
328 Seiten
fest geb.