Onno Viets und der Irre vom Kiez
Ein nackter, am ganzen Körper tätowierter, mit implantierten Hörnern versehener Mann rast mit seinem Motorrad ins Wasser, schwimmt zu einem Ausflugsdampfer und nimmt Geiseln: der Irre vom Kiez. Das filmt eine Touristin. Damit beginnt Frank Schulz
seinen neuen Roman. Drei weitere dieser Filmclips und drei umfassende detailreiche Rückblenden erzählen, wie es dazu kommt: Es ist die Geschichte von Onno Viets, einem Unikum und passionierten Tischtennisspieler (er spielt in der Turnhalle des Günther-Jauch-Gymnasiums), der bisher auf der ganzen Linie versagt hat. Sein Freund, der Rechtsanwalt Christopher Dannewitz, berichtet als Erzähler vom neuesten Abenteuer Onnos, der jetzt als Detektiv arbeitet und auch gleich einen Auftrag vom Porno-Popstar Queckenborn erhält, dessen Geliebte Fiona auf ihre Treue zu überprüfen. Schnell gerät er mit deren Geliebten, dem Gangster Tibor Tetropov aneinander. Sie werden Freunde und Feinde. Wie es dazu und zum außergewöhnlichen Finale kommt, verrät dieser Roman. - Schulz nimmt den Leser mit auf eine wilde Jagd durch mehr oder weniger vornehme Gegenden Hamburgs bis nach Mallorca und zurück und auf eine Reise durch die Sprache und ihre Möglichkeiten. Dabei lässt er kein Klischee und keinen noch so banalen Sprachwitz aus, um das Lokalkolorit und die Spracheigenheiten seiner Protagonisten bis zur äußersten Übertreibung auszuloten. Alle Leser mit einem Hang zum grotesken, zum aberwitzigen Humor werden ihren Spaß haben.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Onno Viets und der Irre vom Kiez
Frank Schulz
Galiani (2012)
366 S.
fest geb.