Amor gegen Goliath
Herbst 2021: Am Strand von Südkreta treffen die Klimaaktivistin Cathi Weye und ihr Mann Ricky Kottenpeter, ein depressiver Werbekomponist, auf den Hamburger Journalisten Dr. phil. Philipp Büttner, seine Verlobte Franziska und deren beste Freundin
Jette (die Phil gerne zu einer Ménage-à-Trois vereinen möchte). Außerdem ist da noch die Rentnerin Ilona Gamasch, deren Mann sich immer noch in ihre Gedanken schleicht, obwohl sie ihn vor Jahren rausgeschmissen hat. Rückblicke schwenken abwechselnd nach Hamburg und Osnabrück in die Jahre 2019/2020. In Abschweifungen und Wortspielereien werden die Lebensumstände der Protagonisten geschildert (inklusive der Sensorik einer Rieseneiche, die „krüppelige, aber sehnige Knüppel austrieb“ und die Befindlichkeiten der Menschen wahrnimmt). – Die Sprache ist rhythmisch, melodisch, poetisch und verspielt. Akademische Anspielungen führen zu gezielter Überforderung (humorvoll für den, der es versteht), das macht aber nichts. Seitenweise Fußnoten ergänzen den Text. Hintergrund ist die Klimakrise, die Corona-Zeit und deren gesellschaftliche Auswirkungen. – Ein ausufernder Gegenwartsroman, der trotzdem kurzweilig zu lesen ist.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Amor gegen Goliath
Frank Schulz
Galiani Berlin (2024)
746 Seiten
fest geb.