Die rissige Brücke über den Bosporus
Mit seinen sehr persönlichen und politisch-historischen Betrachtungen lässt Can Dündar die letzten hundert Jahre der Republik Türkei wie ein Drama Revue passieren. Seine Tätigkeit als Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet führte dazu, dass er
wegen Spionage und Verrat von Staatsgeheimnissen in Abwesenheit zu über 27 Jahren Haft verurteilt wurde. Seit sieben Jahren lebt er in Berlin im Exil. Die Staatsgründung war mit vielerlei Reformen, z.B.im Bildungswesen, verbunden. Detailliert geht der Autor auf die folgenden Putsche, Konflikte, Gefechte, Sabotageakte, Massaker, Anschläge und staatliche Morde (beispielsweise an Intellektuellen) ein. In der Politik herrschte immer ein Tauziehen zweier Pole, der eine zog nach Europa, der andere nach Asien. Nach seiner Wahl zum Präsidenten 2023 kündigte Erdogan noch schärfere Repressionen an. Völlig hoffnungslos verließen immer mehr demokratisch Gesinnte das Land. Dündar hofft auf den Niedergang Erdogans und auf eine Geschichte, in der das Pendel in Richtung Demokratie ausschlägt. Seine frohe Botschaft ist, dass jede Finsternis endet und jedes Repressionsregime eines Tages stürzt.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Die rissige Brücke über den Bosporus
Can Dündar ; aus dem Türkischen von Sabine Adatepe
Galiani Berlin (2023)
237 Seiten
fest geb.