Ich traf meinen Mörder
Als der Chefredakteur der türkischen Zeitung Cumhuriyet, Can Dündar, über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an den IS in Syrien berichtet, verurteilt ihn ein Richter wegen „Spionage und Verrat von Staatsgeheimnissen“ in Abwesenheit
zu 27 Jahren Haft. Des Weiteren wird auf ihn in Istanbul ein Mordanschlag verübt. Auf drei Kontinenten folgt er der Spur schmutziger Operationen. Es tut sich ihm ein internationales Beziehungsgeflecht auf. Detailliert beschreibt Dündar die Deals zwischen demokratischen und autokratischen Regierungen und deren Verbindungen zum organisierten Verbrechen und zu Terrorgruppen. Deren Methoden sind nicht zimperlich: Entführungen, Einschüchterung, Verhaftungen, Zeitungsverbote, Belästigungen, Verschleierungen und Schmutzkampagnen. Während seiner Recherchen steht er zwei Zeugen gegenüber. Der eine hat geschworen, ihn umzubringen, der andere hat von höchster Stelle den Auftrag, diesen Killer zu beauftragen. – Die Leser:innen erfahren von brisanten Aktionen und wie Waffenkäufe und -übergabe ablaufen. – Zur eigenen Sicherheit („meistgesuchter Terrorist“) entschließt sich Dündar zur Flucht nach Berlin. Sein prägnanter Schlusssatz lautet: „Ich bereue nichts. Beim Griff ins Feuer habe ich mir zwar die Finger verbrannt, aber die finsteren Winkel dieser Welt können leider nur mit Feuer aufgeklärt werden." Die Welt soll die Wahrheit erfahren und die wahren Schuldigen (Erdogan) müssen zur Verantwortung gezogen werden.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Ich traf meinen Mörder
Can Dündar ; aus dem Türkischen von Sabine Adatepe
Galiani Berlin (2025)
199 Seiten : Karten
fest geb.