Crashtest dummies
Mercedes Spannagel siedelt ihren zweiten Roman in der Autoindustrie an – wie passend. Die junge Ingenieurin Cleo arbeitet in einem Entwicklungsteam zur eMobilität eines großen Automobilkonzerns. Mit der dominanten Männerkonkurrenz im Team ist
es nicht immer leicht, besonders ihr Kollege Martin macht ihr zu schaffen. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht (Cover) kommt sie sich manchmal vor bei den Frotzeleien der Platzhirsch-Kollegen. Nur Leo, ein Österreicher, schwimmt auf ihrer Wellenlänge mit seinem Humor und Verständnis. Und auch Juli, die weitere Frau im durchweg männlichen Kollegenkreis, ist zeitweise ihre Verbündete. Die Situation verschärft sich, als sie sich mit Martin in eine Konkurrenzsituation um einen Auslandsarbeitsplatz des Konzerns in China begibt bzw. gedrängt wird. Denn Teamleiter Bernhard findet, dass Konkurrenz unter seinen Untergebenen belebt und zu mehr Leistung animiert. Cleo beißt sich durch und gewinnt an Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft. Wohingegen Martin von Ehrgeiz zerfressen in einen Burn-out schlittert, sodass Cleo mit Bernhard für ein halbes Jahr nach China gehen wird. Alle anderen im Team erhalten einen Auflösungsvertrag mit Abfindung, da die gesamte Produktion wohl verlagert werden soll. – Im Stil der Wiener Lakonie, mit einer Mischung aus klarer Ernsthaftigkeit, bitterbösem Humor und wesentlicher Kürze, beschreibt die österreichische Autorin ein halbes Jahr lang den Arbeitsalltag einer jungen Frau in einem technischen Beruf, weitgehend umgeben von männlichen Kollegen auf der gemeinsamen Karriereleiter. Genaue kritische Beobachtungen von männlicher Sprücheklopferei, scheinheiliger Kollegialität, vorgetäuschter Teamfähigkeit, mangelnder Fairness, übersteigerter Profilierungssucht – bisweilen satirisch-bissig überhöht aus der weiblichen Perspektive wird das Ungleichgewicht gut deutlich. Klare Leseempfehlung.
Crashtest dummies
Mercedes Spannagel
Blessing (2026)
398 Seiten
fest geb.