Lotte Paepcke
Mit dem Satz „Es wurde nie wieder gut“ hat die 1910 in Freiburg geborene jüdische Schriftstellerin Lotte Paepcke 1952 ihr erstes Buch beendet. Ihre Biografie wählte das Zitat als Titel, denn leider wurde Antisemitismus zu Lebzeiten Paepckes ab
1992 in Deutschland wieder aktuell. Daher fühlte sie sich bis zu ihrem Tod im Jahr 2000 nie sicher. Aus ihren Schriften, Archivmaterial und Zeitungsartikeln lernte die Verfasserin den Lebensweg und die Schaffenskraft Lotte Paepckes kennen. Beeindruckend schildert sie ihre Geradlinigkeit und Stärke, ungeachtet der tiefen Verletzungen infolge der Nazizeit, welche Ängste und Depressionen auslösten. Ungeachtet ihres persönlichen Befindens wagte die Juristin ab 1951 als Pionierin die schwierige Aufgabe der Etablierung einer „Vertrauensstelle für Verlobte und Eheleute“ in Karlsruhe. Sie war Verfasserin von Prosatexten sowie Gedichten. Ferner wirkte sie als Journalistin, Radiomoderatorin und Schriftstellerin in der jungen bundesdeutschen Demokratie nach 1945. – Dieser intelligenten, begabten und mutigen Frau, Mutter von drei Söhnen, verheiratet mit dem 1963 verstorbenen Ernst August Paepcke, sind wir ein Gedenken, das über einen Stolperstein in dem Ort Stegen hinausgeht, schuldig. Frau Hack-Molitor bietet eine ausgewogene Mischung aus Fakten und Emotionen unter Schilderung der dramatischen äußeren Lebensereignisse und Einblicke in die Person mit ihren Gedanken und Gefühlen. – Für einen entsprechend interessierten Leserkreis.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Lotte Paepcke
Gisela Hack-Molitor
8 grad (2023)
177 Seiten : Illustrationen
fest geb.