Unter einem fremden Stern

Lotte Paepcke (1910-2000), Schriftstellerin und Journalistin, erzählt in diesem autobiografischen Roman (entstanden 1952) von ihrem Leben im Dritten Reich, einem Leben als Kind einer Mischehe, verheiratet mit einem arischen Deutschen. Dies bedeutet, Unter einem fremden Stern dass sie zunächst von Verfolgung verschont bleibt, dennoch kein „normales“ Leben führen kann. Die Familie zieht nach Leipzig, weil es dort einfacher ist unterzukommen. Ein erfolgreicher Kampf ermöglicht den Einzug in eine geräumige Wohnung. Es beginnt ein Leben zwischen Bangen und Hoffen im Lauf der Jahreszeiten und zunehmender Ausgrenzung. Die Großmutter wird ohne Abschied nach Osten deportiert, ihre Spur verliert sich. In Leipzig beginnen die Bombardements. Die Motetten des Thomanerchores wirken als Rettungsanker in wilder, tosender See. Lotte muss als Pelznäherin arbeiten, erkrankt schwer, flieht aufs Land, schließlich nach Freiburg, ihre Heimat, und findet Zuflucht in einem Kloster. Am Kriegsende erreichen die Franzosen das Kloster: Rettung, Befreiung. „Es wurde nicht wieder gut.“ So ein zentraler Satz, ein Motto des Buches. „Es gab kein Zurück. Ich wusste in jenem Augenblick, dass es nicht wieder gut werden konnte“ (S. 116). Geradezu lyrische Sprache, die mit den Alltagssituationen kontrastiert, zeichnet den Roman aus. In einem Nachwort der Autorin richtet sie mit Deutschland und den Deutschen, schreibt über Schuld, Verzeihung, Wiedergutmachung, Brutalität und Menschlichkeit und eines der Kinder und Enkel. Ein nachdenklich stimmendes Buch, dem man viele Leser wünscht. Allen Büchereien sehr empfohlen.

Wilfried Funke

Wilfried Funke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Unter einem fremden Stern

Unter einem fremden Stern

Lotte Paepcke
8 grad (2026)

125 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 755609
ISBN 978-3-910228-62-7
9783910228627
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.