Eine schöne Reise
Die Einsamkeit ist ständiger Begleiter eines Mannes, der zu Fuß durch die Welt wandert. Mit sich trägt er einen Koffer, dessen Schlüssel ihm jedoch fehlt. Das Ziel scheint eine ferne Stadt zu sein, doch nach seiner Ankunft in der Großstadt fühlt
er sich einsamer denn je. Doch das Rätsel seiner Reise liegt plötzlich vor seinen Augen. - Ein modernes Märchen wird in diesem großformatigen Band vor uns ausgebreitet mit einem Helden, dessen Anonymität ihn zeitgenössisch erscheinen lässt. In dieser sinnlosen Reise, dem namenlosen Ziel und dem Geheimnis im Gepäck klingen Motive der Philosophie des Absurden an, die jedoch durch die surrealen Bildräume, die geradezu märchenhaften Szenerien gemildert werden. Die Rätselhaftigkeit verliert durch die Identifikation mit dem Helden und in den schönen Landschaftsdarstellungen ihren Stachel. Im Gegensatz dazu hält sich der Text in beinahe neutraler Sprache zurück, doch fordert es die Geschichte heraus, dass über sie gesprochen wird. Das Format trägt zu diesem dialogischen Appell bei: hier können sich mehrere Leser und Betrachter zusammenfinden, Vertrautes und Seltsames entdecken und gemeinsam den Sinn dieser Lebensreise entschlüsseln.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Eine schöne Reise
Marc Majewski
Tintentrinker-Verl. (2017)
[16] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 6