Der Klang der Freiheit
Weil ihm der Gesang der Vögel wichtiger ist, als dem königlichen Befehl zu folgen, wird ein Mann festgenommen und verurteilt. Er erduldet die Gefängnisstrafe und Folter. Selbst als er den Vogelgesang nicht mehr hören kann, erinnert er sich an diese
Glücksmomente - dies ist sein letzter Akt von Freiheit. Despoten verlangen Unterwerfung - dieses zeitlose "Gesetz" fordert seine Opfer überall auf der Welt. Auch die literarische Form des Märchens greift, wie hier, dieses Thema auf. Die Geschichte eines Mannes, dessen Körper zwar gequält, dessen Mut und Willenskraft sich aber nicht brechen lässt, ist die eines modernen Helden, wie es sie auch heute als populäre politische Figuren oder als unzählige Namenlose gibt. So aktuell dieses Thema auch sein mag, dieses "Epos" fordert jungen Lesern einiges ab. Gerade die so unprätentiöse Sprache mit den refrainartigen Wiederholungen erzielt eine besonders eindrückliche Wirkung. Dies wird von der Illustrierung etwas abgemildert, da sie auf Motive der Märchenwelt setzt und die Abstraktion das Schockierende nicht ausmalt. – Es ist unabdingbar, Kinder bei der Lektüre dieses Buches nicht allein zu lassen. Hier können sich Gespräche mit tagesaktuellen Bezügen anschließen, in denen es um Autorität und Widerstand, um Unterwerfung, Freiheitsrechte und Gewissensentscheidungen gehen könnte.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Klang der Freiheit
Christian Merveille & Illustrationen: Valeria Docampo ; aus dem Französischen von Anna Taube
mixtvision (2025)
[36] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10