Nichts

Die Langeweile ist eine gute Stimmung, um sich in Ruhe Gedanken zu machen, z.B. darüber, dass es einem bewusst nicht gelingen kann, an nichts zu denken. Diese Einsicht ist das Initial für einen Hund und eine Katze zu einem Gedankenaustausch über Nichts die Leere, das Nichts, über Etwas und das Warten. Während der Hund in großer Gelassenheit die langen reflexiven Linien verfolgt, springt die Katze nervös von einer Idee zur nächsten. Die beiden so unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich im Dialog, sie weichen ihren Differenzen nicht aus und schätzen einander als Kontrapunkte. Die doppelseitigen Bilder dieses Buchs bilden eine Bühne für diese Godotschen Figuren. Während Hund und Katze in slapstickhafter Manier ihre Possen treiben, bilden die farbgetränkten Hintergründe die Kulissen für ihr Schauspiel. Zunächst ist ein Innenraum mit Fenster definiert, doch bald schon werden die Bewusstseinsströme der beiden als abstrakte Marker, Liniengewirr und Farbwolken wiedergegeben. So wird neben Samuel Beckett auch der (etwa gleichaltrige) Mark Rothko zitiert – zwei große Repräsentanten der existentiellen Strömungen im 20. Jh. Die jungen Leser:innen und Betrachter:innen werden das nicht anfechten. Wenn auch sie einen Dialogpartner bei der Lektüre haben (was ihnen zu wünschen ist!), dann werden sie sich in die Gedankenschleifen über das Sein und das Nichts einfädeln können. – Mit Kindern Philosophie zu betreiben, bedarf manchmal nur eines geringen Anstoßes. Wie gut, wenn dies mit einem so klugen und schön gestalteten Buch geschehen kann!

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Nichts

Nichts

Gaea Schoeters ; Illustrationen: Gerda Dendooven ; aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm
MIXTVISION (2026)

[64] Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 624269
ISBN 978-3-95854-252-5
9783958542525
ca. 17,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 6
Systematik: KK
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