Das Geschenk
Wie könnte man besonders gewitzt einen Roman beginnen, in dem die entscheidende Tatsache ist, dass in Berlin Elefanten auftauchen? Ob eine KI eine derart raffinierte Lösung fände wie Gaea Schoeters in ihrem neuen Roman? Unmittelbar im Einstieg verknüpft
sie die beiden Stränge, um die es geht: Die Elefantenherde, die plötzlich in Berlin erscheint, und die Politik, die versucht, die Dickhäuter und all die Folgen, die sie für die Stadt und schließlich für ganz Europa mit sich bringen, in den Griff zu bekommen. Kurze Kostprobe: Die ganze Stadt stinkt nach Elefantenscheiße. Tropische Samen im Elefantendung haben bis auf die Höhe der Reichstagskuppel invasive Pflanze wuchern lassen. Der Verkehr ist immerhin auf Dauer so behindert, dass er zurückgegangen ist. Und die Politik? Hat das ganze Chaos indirekt ausgelöst. Durch ein wohlmeinendes Gesetz, das den Import von Elfenbein verbietet. Klingt wohlfeil, kein Abschlachten bedrohter Tierarten mehr. Die Regierung von Botswana sieht das jedoch anders, denn dort vermehren sich die Elefanten jetzt ungehindert – mit Folgen für die Landwirtschaft und das Einkommen vieler Bewohner. Also geben Sie das Problem zurück nach Deutschland. Wie Kabinett und Bundeskanzler nun ihre Entscheidungen treffen, das ist eine Politparabel mit satirischen Zügen. Der Lesegenuss wird eigentlich nur gedämpft durch die Nähe zur Realität, nicht in Bezug auf die Elefanten, aber beim Verhalten der Politiker. Parallelen zu real existierenden Problemen und Entscheidungen nicht ausgeschlossen. Ein wenig blutleer wirken lediglich die Tiraden der Partei, die sich der Macht bereits sehr nahe wähnt, ihr aber von den anderen Parteien ferngehalten werden soll. Sehr empfohlen für Tier- und Demokratieliebhaber!
Gabriele Hafner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Geschenk
Gaea Schoeters ; aus dem Niederländischen von Lisa Mensing
Paul Zsolnay Verlag (2025)
139 Seiten
fest geb.