Scheue Wesen
Die 1960er-Jahre sind in London eine Zeit des Aufbruchs. Helen Hansford, eine unkonventionelle Kunstlehrerin in ihren Dreißigern, wagt einen beruflichen Neuanfang als Therapeutin in Westbury Park, einer modernen psychiatrischen Anstalt. Dort beginnt
sie eine Affäre mit dem verheirateten Dr. Gil Rudden. Beide engagieren sich im Fall des Patienten William Tapping, der völlig verwahrlost und scheinbar stumm in Westbury Park eingewiesen wird. Helen erkennt die besondere künstlerische Begabung des Mannes und versucht, etwas über seine Vergangenheit herauszufinden. Was sie dank eigenmächtiger und beharrlicher Nachforschungen entdeckt, ist ebenso ungewöhnlich wie erschütternd. Mit viel Einfühlungsvermögen und psychologischem Tiefgang nähert sich die Autorin ihren Figuren an und legt vielschichtige und komplexe Beziehungsstrukturen offen. Zugleich zeichnet sie ein detailliertes Bild der Nachkriegszeit in Großbritannien mit ihren vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen. Ein großartiger, absolut lesenswerter Roman!
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Scheue Wesen
Clare Chambers
Eisele (2024)
509 Seiten
fest geb.