Das Orakel spricht
Gutgemeinte, erwünschte, aber auch unangebrachte Ratschläge prasseln tagtäglich auf uns ein: aus unserem direkten sozialen Umfeld, über Bücher, aber besonders über alle möglichen digitalen Kanäle. Strömquist nimmt u.a. das Orakel von Delphi,
YouTuber wie Rollo Tomassi, TikTok-Stars, Mutter Theresa, Meghan Markle oder auch den Soziologen Hartmut Rosa ins Visier, karikiert deren Wahrnehmung des Individuums und ihre Wertevermittlung. Ist Individualisierung erwünscht, noch möglich? Verheißen die permanenten Ratschläge uns Glück oder erfüllen sie uns letztendlich mit einer großen Leere? Die Lektüre dieser Graphic Novel mit einer Unmenge an Sprechblasen und Erklärkästen ist u.U. eine Herausforderung, erzeugt aber gerade auch dadurch eine gewisse Spannung. Die recht einfachen Zeichnungen, oftmals an Pop-Art erinnernd, vermitteln dennoch ebenso wie der Text einige Denkanstöße. Wie in allen anderen Werken Strömquists ("I'm every woman" – BP/mp 19/746; "Im Spiegelsaal" – BP/mp 22/502) kommt auch hier die kritische Feministin zu Wort. – Witzig, skurril, aber auch tiefgründig, ein Ratgeber der besonderen Art. Breit einsetzbar in Büchereien mit Graphic Novel-Leserschaft.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Orakel spricht
Liv Strömquist ; Übersetzung aus dem Schwedischen von Katharina Erben
avant-verlag (2024)
[unpaginiert] : farbig
kt.