Mein Freund Kim Jong-un
Der Titel der Graphic Novel ist verstörend, öffnet aber eine Sichtweise auf Kim Jong-un, die auch die persönliche Seite des Diktators der Demokratischen Volksrepublik Korea aufzeigt. In akribischer Recherche hat die preisgekrönte Comiczeichnerin
Gendry-Kim Stationen seiner Entwicklung vom Kindesalter bis heute aufgezeichnet, belegt durch Interviews mit Weggenossen aus seiner Studien- und Herrscherzeit. Sie selbst lebt auf der Insel Ganghwado, an der Grenze zu Nordkorea. Ihr Alltag ist geprägt von Angst vor einer erneuten Eskalation des Korea-Konflikts. In Gesprächen z.B. mit Journalisten, Politikwissenschaftlern, dem Ex-Präsidenten Südkoreas, Moon Jae-in, oder einer Überläuferin aus Nordkorea zeichnet sie ein differenziertes Bild beider Staaten und ihrer Geschichte, ihrer Beziehungen und ihrer Kultur. Wie im früheren Werk "The Waiting" verarbeitet Gendry-Kim nochmals den familiären Verlust als Folge des Korea-Kriegs. Der innerkoreanische Frieden – zum Greifen nah und doch so fern. Ein Werk, das durch die Hoffnung auf die Fortsetzung des Dialogs der beiden Nationen entstand. Eindrucksvoll, in Text und Tuschezeichnungen, teilweise minimalistisch koloriert, ist diese Graphic Novel ein gelungener Einstieg, um sich mit der Geschichte der beiden Staaten, auch im Hinblick auf die Welt- und Geopolitik, auseinanderzusetzen. Empfehlenswert für größere Bestände.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Mein Freund Kim Jong-un
von Keum Suk Gendry-Kim ; übersetzt aus dem Koreanischen von Alexandra Dickmann
avant-verlag (2025)
[unpaginiert] : farbig
fest geb.