Auf dem Wasser - Erster Teil
Das Land steht unter Wasser, die Regierung zwingt die Bewohner zur Evakuierung. Aber es gibt Menschen, die sich dieser Maßnahme verweigern: die alte Jeanne, ihre Söhne Hans und Gorza leben mit ihrem Hund als Selbstversorger in einem Haus direkt am
Wasser. Hans versucht per Boot, eine neue Unterkunft für seine Mutter zu finden, und stößt auf eine Siedlung, deren Bewohner ebenfalls nicht weichen wollen. Währenddessen sabotiert eine Gruppe junger Aktivisten die Infrastruktur des Landes, die sie als Mittel zur Überwachung und Freiheitsberaubung erkennt. Erzählt wird diese apokalyptische Geschichte von Jeannes Hund, der dank seines telepathischen Gespürs klarsichtig erkennt, welche Ausmaße diese Ereignisse annehmen. Die Koinzidenz des Erscheinens dieser Graphic Novel mit den jüngsten Naturkatastrophen ist geradezu unheimlich und sicher flossen auch die Erfahrungen der Maßnahmen während der Corona-Pandemie in diese Story ein. Der Autor und Zeichner setzt auf die Macht der Bilder, wenn er das überflutete Land, die Regenmassen und verwüsteten Städte in Szene setzt. Und ebenso ausdrucksstark werden die Porträts und die engen Lebensräume der Protagonisten ausgemalt, deren anarchischem Lebenswillen offensichtlich seine Sympathie gehört. Dass es gerade ein Hund ist, der in den "Gedankenteppichen" der Menschen ihre Sensibilität erspürt, gibt dieser Dystopie einen "Dreh" ins Absurd-Menschliche. Mit Spannung erwartet man den angekündigten zweiten Teil dieses großen, bewegenden Dramas.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Auf dem Wasser - Erster Teil
Benjamin Flao ; aus dem Französischen von Resel Rebiersch
schreiber&leser (2023)
Auf dem Wasser ; 1
156 Seiten : farbig
fest geb.