Auf dem Wasser - Zweiter Teil
Mitunter regnet es auf die überfluteten Landstriche, aber meistens erstarrt die Region unter der Hitze. Weiterhin spürt die Polizei Menschen auf, die sich der Evakuierung widersetzen, doch die alte Jeanne hat ihre eigenen Methoden, ihre Festsetzung
zu vereiteln. Auch ihre Enkelin Vinea ist auf der Flucht und stößt auf ein schwimmendes Dorf von Selbstversorgern. Die Reaktionen der Menschen werden von Jeannes Hund beobachtet (und erzählt), der seinen eigenen Fährten durch das Wasser folgt. In diesem 2. Band (vgl. BP/mp 24/180) der Graphic Novel hat sich die aktuelle Dramatik zwar entschärft, doch müssen sich die Opfer der Naturkatastrophe nun auf dauerhafte Unbehaustheit einstellen. Die Figuren, die hier näher porträtiert werden, verweigern sich jedoch staatlichen Repressionen und gesellschaftlichen Zwängen. Ob jung oder alt – sie alle sind Nonkonformisten und haben eine gewisse Resilienz gegenüber den widrigen Umständen entwickelt. Man sieht, dass diesen Charakteren die ganze Sympathie des Zeichners gehört, so wie er auch den Wassermassen und überfluteten Landstrichen etwas Faszinierendes abgewinnt. Scheinbar sind die Naturgesetze sowie zeitliche und räumliche Kontinuitäten außer Kraft gesetzt. Mit viel Gespür für solche "Nicht-Orte" entwickelt er atmosphärisch aufgeladene Szenarien, in denen sich Wirklichkeiten unterschiedlichster Welten treffen. Aber er entgeht der Gefahr, die Schönheit der Katastrophe auszumalen. Vielmehr widmet er diese Story den "Vertriebenen, Schiffbrüchigen und Träumern", die sich ihre Sicht auf die Dinge bewahrt haben, die außergewöhnliche Perspektiven einnehmen und sich auf eigenen Wegen durchschlagen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Auf dem Wasser - Zweiter Teil
Benjamin Flao ; aus dem Französischen von Resel Rebiersch
schreiber&leser (2025)
Auf dem Wasser ; 2
170 Seiten : farbig
fest geb.