Jenseits aller Zeit

Tom Kettle ist jüngst aus dem Polizeidienst in den Ruhestand getreten. Nun fühlt er sich nutzlos und langweilt sich in seiner Wohnung mit Blick auf die Irische See. Da kommt es ihm gerade recht, von zwei Beamten der alten Dienststelle zu einem heiklen, Jenseits aller Zeit nicht abgeschlossenen seiner alten Fälle befragt zu werden. Es geht um einen Priester, der des Missbrauchs beschuldigt und später ermordet wurde. – Ja, es gibt einen Kriminalfall, der steht aber eher im Hintergrund. Hier ist es vor allem die literarische Erzählkunst des Autors (zuletzt: "Tausend Monde"), die das Vergnügen am Text ausmacht. Beeindruckende Natur- und Landschaftsschilderungen, mitunter verwirrende Dialoge (spricht Kettle nun mit noch lebenden oder mit bereits verstorbenen Personen?), das alles verwoben mit der Geschichte Irlands und des dortigen Katholizismus. Insgesamt wird daraus ein Leckerbissen für literarisch interessierte Leser:innen. "Reine" Krimifans auf der Suche nach Lesefutter werden es hier etwas schwerer haben.

Thomas Oberholthaus

Thomas Oberholthaus

rezensiert für den Borromäusverein.

Jenseits aller Zeit

Jenseits aller Zeit

Sebastian Barry ; aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser
Steidl (2024)

278 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 754159
ISBN 978-3-96999-401-6
9783969994016
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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