Kleine Schule des Fliegens
Alexander Höch hat eine Krebserkrankung mit erfolgreicher Chemotherapie hinter sich und erholt sich im Haus seines Bruders, der dieses zeitweise nicht bewohnt. Seine Frau Eva ist mit der Renovierung der eigenen Wohnung beschäftigt, übt aber gleichzeitig
erheblichen Druck auf ihren Mann aus, wegen des Ansteckungsrisikos die Wohnung möglichst nicht zu verlassen Nachbarin Melitta Müller kümmert sich ebenfalls um Höch. Jeden Tag versammeln sich Krähen draußen um und in der Platane vor dem Haus. Nach und nach entdeckt Höch seltsame Ähnlichkeiten zwischen sich und den Vögeln. Nachbarin Melitta versucht, diese störenden Krähen loszuwerden und zu verscheuchen, zumal andere Bewohner der Straße und des nahegelegenen Altersheims die Tiere ebenfalls nicht ausstehen können. Es finden sich aber zunehmend Personen, die sich den Vertreibungsversuchen widersetzen. Zusätzlich muss sich Höch mit seinen Überlebenschancen auseinandersetzen, als sein ehemaliger Zimmernachbar aus dem Krankenhaus verstirbt. - Mit schwarzem Humor und Ironie wird erzählt, wie sich Höch dem ihm aufgezwungen Alltag entgegenstellt und gleichsam Verbündete in den Krähen findet. Die angesprochenen Themen wie Tod, Vereinsamung, Resilienz, Neid, Missgunst und Loslassen bieten ausreichend Anregungen und Spielraum für Fragen über Lebensentwürfe und deren Verwirklichung. Die an einigen Stellen durchscheinende Ironie bzw. der schwarze Humor machen das Buch lesenswert, ebenso die Entwicklung der Geschichte sowie die der sich bildenden Parteien - für oder gegen die Krähen. Es bleibt dem Leser überlassen zu deuten, welche Rolle die Krähen spielen bzw. für wen oder was sie als Bild stehen. Das Buch ist sehr gut geeignet für Leser und Leserinnen, die sich mit den angesprochenen Fragen beschäftigen wollen und nicht vorschnell nach Antworten suchen.
Siegfried Heinemann
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kleine Schule des Fliegens
Christina Walker
braumüller (2023)
205 Seiten
fest geb.