Chamäleon
Shai Tamus schreibt als Student bei einer Zeitung in Tel Aviv. Zuerst ist er für den Kulturbereich zuständig. Aber schon bald ist Shai als moderat linker Journalist anerkannt. An einem Samstagabend erfahren seine spätere Frau Alona und er, dass
auf den amtierenden Ministerpräsidenten Rabin ein Attentat verübt wurde. Shai erhält von seiner Zeitung den Auftrag, über die Ermordung zu schreiben. Mit diesem Zeitungsbericht wird Shai zum Topjournalisten des Landes. Doch wegen fehlendem Charisma wird er nach einiger Zeit nicht mehr als TV-Talkgast eingeladen. Sein gemäßigter und ausgewogener Stil wird auch bei der Zeitung nicht mehr geschätzt. Als die Rechtsparteien mit den "extremsten Kräften" die Landeswahlen gewinnen, bezieht Shai erstmals keine Position der Mitte mehr, sondern will der neuen Regierung eine Chance geben. Seine Frau und seine Tochter unterstützen die Proteste und wenden sich von Shai ab. Shai schreibt gegen die andauernden Proteste, die sich gegen die rechte Regierung und ihre Justizreform richten. Ein patriotischer Sender, der der Rechtsregierung nahesteht, wird auf ihn aufmerksam, lädt ihn ein, aber auch diesmal kann Shai das Publikum nicht so richtig für sich gewinnen. Aber das Büro des Ministerpräsidenten sieht die Möglichkeit, ihn für die eigenen Zwecke einzusetzen. Ein Mitarbeiter instrumentalisiert Shai, indem er ihm vor dessen TV-Auftritten sagt, was er in Diskussionsrunden als Intellektueller, der die Seiten gewechselt hat, sagen soll. Als der Krieg im Gaza-Streifen ausbricht, radikalisiert sich Shai immer weiter, bis seine Familie selbst betroffen ist. – Sarid lehnt zwar jeden Vergleich mit der Wirklichkeit ab, aber die aktuelle politische Situation in Israel in der kritischen Lage im Nahen Osten wird am Beispiel des Journalisten Shai wie in einem Brennglas dargestellt. – Breit empfohlen!
Helmut Lenz
rezensiert für den Borromäusverein.
Chamäleon
Yishai Sarid ; aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
Kein & Aber (2025)
286 Seiten
fest geb.