Kinder des Bösen
In den letzten Kriegswochen 1945 soll der junge Deutsch-Tscheche Honsa noch als Flakhelfer zum Volkssturm eingezogen werden. Mit Unterstützung seiner Eltern setzt er sich aus Bayern ab in Richtung Osten nach Prag, wo seine Familie ursprünglich herkommt.
Die junge, schöne Lenka bietet ihm dort einen Unterschlupf mit Familienanschluss an. Honsa trifft - zufällig - auf einen alten Arzt, der ihm eine Beschäftigung anbietet und, wie es sich herausstellt, mehr über Honsa und seine Familie zu wissen scheint. Honsa löst ein altes Familienrätsel, in dessen Mittelpunkt er selbst steht. - Der Autor versucht seiner Geschichte eine geheimnisvolle Atmosphäre der Düsternis zu verleihen und sie dadurch zu überhöhen. Das geht aber zulasten der historischen Authentizität. So frei wie im Buch beschrieben, konnte sich in den letzten Kriegsmonaten niemand mehr bewegen. Prag blieb zwar von unmittelbaren Kampfhandlungen lange verschont, aber die Überwachung und der Terror durch die Gestapo waren im Protektorat Böhmen und Mähren allgegenwärtig. Statt der historischen Situation steht mehr die Frage, ob es eine angeborene Veranlagung zur Kriminalität gibt oder ob die sozialen Verhältnisse den Menschen zum Täter machen, im Mittelpunkt des Buches, das aber insgesamt leider weniger überzeugt.
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Kinder des Bösen
Jan Hellstern
Kein & Aber (2012)
334 S.
fest geb.