Papiervögel
Im Grenzgebiet des Iraks zum Iran verdingen sich viele Kurden – oft im Auftrag von Hintermännern – als "Kolbar" (Lastenträger), um Waren über die Grenze zu schmuggeln. In einer von Armut und wenig Perspektiven geprägten Gegend nehmen sie in
der Hoffnung auf ein wenig Geld und ein besseres Leben vielfältige Gefahren auf sich. Denn auf den gefährlichen Hochgebirgspfaden sind sie nicht nur von Naturgewalten bedroht, sondern müssen auch damit rechnen, von der Grenzpolizei verhaftet oder gar erschossen zu werden. In dieser fiktiven, aber auf Recherchen vor Ort beruhenden Erzählung folgen die Lesenden einer solchen Schmuggeltour. Einer bunt zusammengewürfelten Gruppe aus einem Dorf schließt sich auch der arbeitslose Intellektuelle Jalal an. Er träumt davon, dass er sich mit dem Verdienst eines Tages mit seiner heimlichen Geliebten Rojan ein besseres gemeinsames Leben in der Großstadt aufbauen kann. Doch die allermeisten Schmuggler müssen auf dieser Unternehmung ihr Leben lassen oder sehen nach der Gefangennahme durch die Grenzer einer ungewissen Zukunft entgegen. Jalal wird verletzt von Dorfbewohnern gerettet; nicht wissend, dass seine Geliebte kurz vor seinem Aufbruch zur Schmuggeltour von ihrem Vater wegen ihrer unerlaubten Beziehung ermordet wurde. – Die mit eher einfachen schwarz-weißen Bildern gestaltete Erzählung bietet einen eindrucksvollen Blick auf die in uns archaisch erscheinenden Strukturen lebenden, armen und von Gewalt bedrohten Menschen dieser Region, die trotzdem die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht verloren haben. Eine Graphic Novel für ausgebaute Bestände, die sicher aber auch der begleitenden Vermittlung bedarf.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Papiervögel
Mana Neyestani ; aus dem Französischen von Christoph Schuler
Edition Moderne (2025)
200 Seiten
kt.