Gott
Als Widerspruch zu den Naturwissenschaften oder als unhistorisch werden von vielen alttestamentliche Texte wie die Schöpfungserzählung, der Bericht von der Ursünde, von Kain und Abel, Noah und dem Turmbau zu Babel, ja selbst die Abrahams- und die
Moses-Erzählungen de facto aus dem Kanon der Offenbarungsschriften herausgenommen. Für den kanadischen Psychologen Peterson indes stellen solche Texte im Anschluss an C.G. Jung Archetypen vor, die die Schöpfungswirklichkeit des Menschen widerspiegeln und als solche grundlegende Orientierungspunkte für menschliches Verhalten, für ein geglücktes Leben geben oder vor dem Absturz ins Chaos warnen wollen. So deutet er z.B. die von Gott zugedachte Rolle des Menschen bei der Schöpfung als mitgestaltende Überführung von Chaos in den Zustand der Ordnung, die dann aber von Mann und Frau auf je spezifische Weise durch Selbstüberschätzung und Stolz ins Gegenteil pervertiert wird. Wo der Mensch glaubt, selbst den Horizont der Werte und der moralischen Ordnung setzen zu können, da maßt er sich göttliche Vor-Rechte an und verfehlt so sein eigenes Existenzziel. Peterson illustriert dies durch eine Vielzahl hochinteressanter und hilfreicher Beispiele aus der psychologischen Praxis und bekräftigt seine Thesen durch Rückgriffe auf die moderne Literatur ebenso wie auf alte Mythen, die die bleibende Geltung der Archetypen belegen sollen. – Für theologisch Interessierte sehr lesenswert.
Martin Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gott
Jordan B. Peterson ; Übersetzung: Karoline Kuhn [und ein weiterer]
fontis (2024)
651 Seiten : Illustration
fest geb.