Sommer, Schwester
Schweden befindet sich seit mehreren Jahren im (Bürger-)Krieg. Die Gesellschaftsordnung und die Kommunikationen sind zusammengebrochen, die Armee ist zerfallen, paramilitärische Gruppierungen ziehen durchs Land. Die Zivilbevölkerung ist ihrem Schicksal
schutzlos überlassen, Lebensmittel und Medikamente sind kaum aufzutreiben. Die idyllischen roten Holzhäuser auf dem Land sind verwaist oder dienen Flüchtenden als Versteck. Der 17-jährige Erik erzählt rückblickend, wie er einen Sommer lang zusammen mit seiner großen Schwester Anna, einer ehemaligen Elitesoldatin, im Schutz der schwedischen Wälder Richtung Osten flieht. Nur dank Annas Kenntnissen aus der Armee, wie man sich in der Wildnis verhält, haben die beiden eine Chance zu überleben. Trotz der lebensbedrohlichen Situation finden die Geschwister Momente der Nähe und können die schönen Naturerlebnissen in sich aufnehmen. Da die Geschichte ausschließlich aus Eriks Sicht erzählt wird, bleiben Annas Beweggründe für die Flucht und ihr Ziel im Dunkeln. - Jerker Virdborgs Erzählstil ist geprägt von Langsamkeit, detaillierten Naturbeschreibungen, feinsinnigen Personenbeschreibungen und unausgesprochenen Bedrohungen. Ähnliche Grenzsituationen hat der Autor auch in früheren Werken thematisiert. Bisher erschienen zwei seiner Romane auf Deutsch (zul. Felsland, BP/mp 10/409). Ein aufrüttelndes Buch mit Sogwirkung von einem der interessantesten schwedischen Gegenwartsautoren. Ab mittleren Beständen eine echte Bereicherung. (Übers.: Wolfgang Butt)
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Sommer, Schwester
Jerker Virdborg
Arctis (2018)
379 S.
fest geb.