Wild
Nach dem Unfalltod der Mutter findet Tracys Vater nicht mehr die Kraft, als erfolgreicher Schlittenhunde-Trainer und Musher weiterzuarbeiten. Das 17-jährige Mädchen beschließt daraufhin, in seine Fußstapfen zu treten. Dabei geht es ihr nicht nur
um die Hunde und die Familienehre, vielmehr strebt sie danach, ihre innere Wildheit zu besänftigen. Von Kindesbeinen an ist Tracy halbwild in Alaska aufgewachsen. Menschen sind ihr suspekt, Tiere sind ihre Beute, nur den Hunden fühlt sie sich verbunden. Der Wald ist ihr Zufluchtsort, bis sie dort von einem Landstreicher angegriffen wird. Tracy kann ihn zwar abwehren, fühlt sich von da an aber verfolgt. Erst als der Gelegenheitsarbeiter Jesse auf dem Hof anheuert, fasst Tracy wieder Zutrauen und verliebt sich sogar in ihn. Doch auch Jesse trägt ein Geheimnis mit sich und als Tracy erneut auf ihren Angreifer stößt, versinkt sie in Wahnvorstellungen, die am Ende ein Leben kosten. - Der Thriller steigert sich sehr langsam zum packenden Finale. Dadurch lernt man aber die Hauptfigur Tracy und ihre speziellen Emotionen umso besser kennen. Gerade durch Tracys Liebesbeziehung zu Jesse zeigt die Autorin, dass ihre Wildheit eigentlich ein Ausdruck großer emotionaler Verwundbarkeit ist. So wird auch verständlich, dass Tracy zum Schluss wie ein in die Enge getriebenes Tier reagiert, anstatt Hilfe anzunehmen.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wild
Jamey Bradbury ; aus dem Amerikanischen von Lydia Dimitrow
Lenos Verlag (2022)
390 Seiten
fest geb.