Das Game
Anna verdient den Lebensunterhalt für sich und ihren 14-jährigen Sohn Leo mit einer fahrbaren Hähnchenbraterei. Ihr Wagen ist nach einem Unfall schrottreif. Sie sucht sich daher eine Putzstelle. Leo glaubt, durch das Dealen von im heimischen Schuppen
gestohlenem Cannabis, den die Mutter zum Eigengebrauch anbaut, einen Weg aus diesem Dilemma finden zu können. Beide begleitet bei allem ein inniges Miteinander, das Denken an den beim Surfen zu Tode gekommen Partner und Vater sowie die eigene Leidenschaft für das Surfen. In der Not nimmt Anna an einem menschenverachtenden Wettbewerb teil: Wer am längsten seine Hand an einen teuren Wagen halten kann, ohne jede Unterbrechung, dem gehört der Wagen am Ende. Der Wettbewerb, initiiert von einem Autokonzern, live in öffentlichen und privaten Medien übertragen, dient der Absatzsteigerung und den Einschaltquoten/dem Verkauf der begleitenden Medien. Dazu ist er ein zynisches Spiel um Macht und Einfluss zwischen dem Konzernchef und der Medienverantwortlichen, die ohneeinander nicht können, sich gegenseitig unter Druck setzen. – Passend zu seinem Stoff schreibt der Schweizer Joseph Incardona flott, mit harten Szenenwechseln, packend und ob der nachvollziehbaren Härten manchmal schwer zu ertragen. Die Zuneigung von Mutter und Sohn stehen gegen die Brutalitäten des Lebens, die Machtkämpfe unter Jugendlichen, die Gier der Mediennutzer sowie die ihren persönlichen und wirtschaftlichen Vorteil nutzenden Konzernchefs. Breit empfohlen, gerne auch für Jugendliche.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Game
Joseph Incardona ; aus dem Französischen von Lydia Dimitrow
Lenos Polar (2025)
298 Seiten
fest geb.