Sarahs Gesetz
Zwei Frauen, eine Freundschaft, eine Liebe: die Schriftstellerin Silvia Bovenschen, geboren 1946, schreibt über ihre Beziehung zur Malerin Sarah Schumann. In interessanten Reflexionen über das eigene Leben und das der Freundin, in Rückblicken und
literarisch aufgearbeiteten Erinnerungen erzählt Bovenschen von ihrer beider Leben. Es ergibt sich eine Collage locker aneinandergereihter Einblicke und Erzählungen. Hingeworfene Erinnerungen, wie mündlich erzählt, lösen dabei immer wieder neue Erinnerungen aus, keiner zeitlichen Reihenfolge gehorchend. Sarah ist ganz anders als Silvia, in den Charakteren zeigen sich harte Gegensätze, die vor allem anfangs ein Wechselspiel von Anziehung und Irritation auf beiden Seiten bedingen. Vieles im Wesen der Freundin bleibt für Bovenschen ein Leben lang unverstanden und unverständlich. Aber - wie so oft in der Liebe - : "ich muss das nicht ganz verstehen". Die Faszination bleibt, belebt durch das Empfinden einer zauberhaften Einzigartigkeit sowie eine freundschaftliche Akzeptanz der "anderen Seiten". - Ein unterhaltsamer, interessanter, literarisch anregender Bericht über zwei Frauen, die ihre unkonventionelle Liebe in Nähe und Distanz leben, darüber hinaus jedoch auch eine Hommage von Silvia Bovenschen an die Freundin und ihr künstlerisches Werk. Gut geeignet für alle Büchereien.
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Sarahs Gesetz
Silvia Bovenschen
S. Fischer (2015)
253 S. : Ill.
fest geb.