Abgesang des Königs
Der Amateursänger Lobo kommt an den Hof des Königs. Dort soll er für die Gäste singen und den Ruhm des Herrschers durch seinen Gesang mehren. Er lernt das Leben im Palast und die verschiedenen Mittel, mit denen Macht ausgeübt wird, kennen. Als
gegen den König intrigiert wird, muss sich Lobo entscheiden, wem seine Loyalität gilt. Wichtigstes Stilmittel des Kurzromans ist die Verfremdung: Der Autor verwendet Begriffe aus Zeiten der absolutistischen Herrscher, um eine Geschichte über den aktuellen Drogenkrieg in Mexiko zu erzählen. Herreras König ist der Kopf eines Kartells, seine Minister diejenigen, die für die Vertriebswege des Rauschgifts sorgen, seine Soldaten die Paramilitärs, die Gegner verfolgen, foltern und töten. Der Sänger Lobo ist Teil der Propagandamaschine der Mafia. Tatsächlich gibt es eine Form der Corridos, d.h. der traditionell klingenden mexikanischen Lobgesänge, die sich thematisch mit den Beteiligten des Drogenkrieges beschäftigen. Eine ungewöhnliche, aber gelungene Betrachtung der verbrecherischen Geschehnisse in Mexiko. (Übers.: Susanne Lange)
Thomas Völkner
rezensiert für den Borromäusverein.
Abgesang des Königs
Yuri Herrera
S. Fischer (2011)
141 S.
fest geb.