Fremde im neuen Land

Wie Klaus Hillenbrand im Vorwort zu diesem aufschlussreichen Buch schreibt, ist der Titel "Fremde im neuen Land" in zweifacher Hinsicht zu sehen: Einerseits erhält man überraschende Einblicke in das schwierige Leben der aus Deutschland in ihre "neue" Fremde im neuen Land Heimat Palästina eingewanderten Juden. Andererseits werfen 22 authentische Reportagen einen kritischen Blick auf das besiegte Deutschland, wo nach dem Willen der Alliierten ein "neues" Land entstehen sollte, in dem Antisemitismus und Rassismus keinen Platz haben. Während Hillenbrand im ersten Teil zeigt, dass die ehemaligen deutschen Juden - in Palästina geringschätzig Jeckes genannt - ihr jetziges Leben als sozialen Abstieg empfanden und als Kompensation an ihrer Sprache, Kultur und ihren Bräuchen festhielten, erinnern die im zweiten Teil ausgewählten Reportagen von 1945-1950 an eine inzwischen fast unbekannte Zeit. Die einzelnen Verfasser - von den Nazis vertriebene Journalisten, Schriftsteller und Wissenschaftler - arbeiteten für die seit 1932 bis heute bestehende deutschsprachige Zeitschrift "Mitteilungsblatt" in Tel Aviv und waren für kurze Zeit nach Deutschland zurückgekehrt. In ihren Artikeln lassen sie uns spüren, was es heißt, mit dem "Land der Täter" konfrontiert zu sein, sich Erinnerungen an eine glückliche Vergangenheit stellen zu müssen, der Not der deutschen Zivilbevölkerung, aber auch antisemitischen Ressentiments und einer Kultur des Verdrängens zu begegnen. - Sehr zu empfehlen!

Inge Hagen

Inge Hagen

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Fremde im neuen Land

Fremde im neuen Land

Klaus Hillenbrand
S. Fischer (2015)

Die Zeit des Nationalsozialismus
415 S.
fest geb.

MedienNr.: 795170
ISBN 978-3-10-033850-1
9783100338501
ca. 24,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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