Eine Geschichte der Neugierde

Ist schon komisch mit der Neugierde: einerseits wird sie seit der Paradiesgeschichte als Selbstvermessung geächtet. Andererseits erschließt sie uns immer wieder neue nützliche Welten. Alberto Manguel, Direktor der argentinischen Nationalbibliothek, Eine Geschichte der Neugierde ist der Neugierde auf die Spur gegangen. Herausgekommen ist die faszinierende Selbstbetrachtung einer Philosophie, die sich selbst Fragen stellt, ohne aber sich skeptizistisch in Frage zu stellen. Was wir wissen wollen und können, wo wir hingehören, was Wahrheit und was Sprache ist - Manguel geht diesen Menschheitsgedanken auf den Grund, erzählend, eher wildernd als ordnend. Den Unterbau liefern jeweils ein Vorkapitel mit einer persönlichen Erfahrung, die ihn zu der entsprechenden Frage geführt hat, und das fiktive Gespräch, das er, nicht immer ganz treffsicher allerdings, mit Dante auf seinem Weg durch die Unterwelt führt. Dante, der seinen Führer Vergil mit Fragen löcherte, ist neben Petrarca ja einer der ersten Neugierigen der Neuzeit. Der erste systematische schriftliche Beleg des Fragezeichens, so erklärt Manguel, datiert übrigens auf das 16. Jahrhundert. - So ist diese "Geschichte der Neugier" eine willkommene Einladung an den Leser, selbst mit- und weiterzufragen. (Übers.: Achim Stanislawski)

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Eine Geschichte der Neugierde

Eine Geschichte der Neugierde

Alberto Manguel
S. Fischer (2016)

527 S.
fest geb.

MedienNr.: 584921
ISBN 978-3-10-048758-2
9783100487582
ca. 24,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ph
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