Aufbrüche
New York, 2016: Donald Trump ist soeben zum Präsidenten der USA gewählt worden. Die linke Italoamerikanerin Bruna (40) lehrt Politikwissenschaften in New York und ist verheiratet mit dem reichen und angesehenen Arzt Tom. Seine Eltern sind Trump-Wähler
und hatten nie ein gutes Verhältnis zu Bruna. Dieses verschlechtert sich, als sie ihrem Sohn Mario nicht verwehrt, in den Kleidern seiner Schwester zu posieren. - Die Italienerin Arianna Farinelli, die seit 20 Jahren in New York lebt und Professorin für „Political Science“ ist, steigt in ihren Debütroman mit der Geschichte von Yunus und dem Wal ein, die muslimische Variante von Jona und dem Wal aus dem Alten Testament, die sie Bruna ihrem Sohn Mario erzählen lässt. Yunus nennt sich auch ihr Liebhaber, der afroamerikanische Student James Brown, der zum Islam konvertiert ist. In Brunas Seminaren geht es viel um Identität, „Wer bin ich? Wer ist anders als ich? Wer ist mein Feind?“ (S. 172), erst der Feind schafft Identität. Eines Tages ist Yunus verschwunden und wird vom FBI gesucht. Bruna versucht zu verstehen … - Die Liebesgeschichte zwischen Bruna und Yunus mag vielleicht etwas konstruiert anmuten, doch der Roman verhandelt gekonnt die Themen der Zeit und zeigt ein gespaltenes Land, das so schnell nicht zusammenfinden wird.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Aufbrüche
Arianna Farinelli ; aus dem Italienischen von Luis Ruby
S. Fischer (2021)
317 Seiten
fest geb.